Besinnlich oder befremdlich: Weihnachten im Büro

Alle Jahre wieder: Geschäfte, Kaufhäuser, Restaurants sowie das heimische Wohnzimmer erstrahlen in weihnachtlicher Aufmachung aus viel rot, tannengrün, stimmungsvollem Licht und Glitzer. Überall ertönen Weihnachtslieder, es riecht nach Gebäck, Lebkuchen, Glühwein und Bratwürsten und alle verfügbaren Freiflächen sind mit grellen Karussells voll kreischender Insassen jeglichen Alters vollgestellt. Und selbst die sonst so kahlen Büroräume werden nach Möglichkeit saisonal dekoriert: Es gibt – je nach zeitlichem und emotionalem Engagement – Weihnachtskalender, bescheidene bis pompöse Adventskränze (obwohl offenes Feuer in deutschen Büros ein pikantes Thema sein dürften), Lichtinstallationen aus günstigen Baumarktlichterketten, weihnachtliches Pausengebäck oder sogar hin und wieder Glühwein zum Feierabend. Diese Aufzählung erhebt dabei keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit (weihnachtliche Oberbekleidung, künstlicher Schnee, an Häuserwänden emporkletternde Weihnachtsmänner, Rentierohren an Haarreifen usw. usf.).

Weihnachten im Büro kann lustig sein - muss aber nicht.

Vorbei scheint also die Zeit, als man im Büro tagtäglich einige Stunden dem allgemeinen Weihnachtstrubel entfliehen konnte. Denn bei einem bescheidenen Schmuck für den Schreibtisch bleibt es ja schon lange nicht mehr. Die Weihnachtszeit ist mittlerweile für jede Marketingabteilung ein gefundenes Fressen, das bitteschön bis zum letzten Krümchen verzehrt werden möchte. Da wird dann ganzen Webseiten ein dekorativer Weihnachtsrahmen verpasst, es gibt alle möglichen und unmöglichen Weihnachtsangebote per E-Mail, per Post, am Telefon und via Social Media sowieso. Kunden bekommen Karten, Geschenke und noch mehr E-Mails. Und nicht selten müssen engagierte Mitarbeiter sich selbst mit weihnachtlichem Kopfschmuck ins Getümmel oder vor die Kamera werfen.

Eine Frage der Ehre: Alle oder keiner?

Und als wäre das noch nicht genug, halten noch andere gesellschaftliche Weihnachtsverpflichtungen Einzug ins Büro, die bislang eher in den privaten Bereich gehörten. Geschenke zum Beispiel. Ein jeder freut sich sicherlich über gute Kollegen, mit denen man gern zusammenarbeitet und sich auch mal privat unterhält. Wie aber steht es zu Weihnachten mit Geschenken? Darf man nur jenen eine kleine Aufmerksamkeit zukommen lassen, die man auch tatsächlich mag, und die langen Gesichter der anderen geflissentlich übersehen? Oder muss man in den sauren Apfel beißen und JEDEM ein Päckchen mitbringen? Und was ist eigentlich eine kleine Aufmerksamkeit? Denn unangenehm wird es auch, wenn der eine Nippes für ein paar Euro verschenkt, der andere aber die ersehnte Konzertkarte der Lieblingsband. Oder gar nichts. Wie einst in der Schule ist es vermutlich eine gute Idee, Derartiges so demokratisch und gleichberechtigt wie möglich zu entscheiden: Damals hieß es, alle kaufen ein Geschenk für 3 Mark und Schenker und Beschenkter wurden eiskalt ausgelost. Und vorher wurde selbstverständlich darüber abgestimmt, ob überhaupt etwas geschenkt werden soll oder nicht. Warum also soll man jedes Rad neu erfinden, nur weil man nicht mehr in die 5. Klasse geht?

Die Qual der Wahl: Nützliches oder Nippes?

Es muss nicht immer ein Geschenk zu Weihnachten sein - es ist der Gedanke, der zählt.

Ein anderes Thema hingegen sind obrig verordnete Geschenke. Grundsätzlich ist es natürlich ein sehr netter Gedanke, wenn der Chef seinen Mitarbeitern etwas Hübsches schenken möchte. Das ist ja aber nur die Spitze des Eisbergs. Denn auch hier schließen sich wieder Fragen über Fragen an, die die Sache nicht leichter machen: Freut sich eigentlich jede Frau über einen Douglas-Gutschein und jeder Mann über irgendetwas mit Autos oder Technik? Und kann man mit einem Amazon-Gutschein wirklich nichts falsch machen? Und wie gut ist die Idee, nur jenen Mitarbeitern etwas zu schenken, die sich auch freiwillig zur Weihnachtsfeier bequemen? Aber auch für die beschenkten Mitarbeiter ist die Sache nicht ganz einfach: Wie sehr und ehrlich muss man sich eigentlich über den x-ten Tischkalender mit Firmenlogo, Kugelschreiber in Unternehmensfarben oder anderen Merchandise-Kram freuen? Darf man sich auch etwas wünschen, weil man weiß, dass das Ganze sonst doch nur wieder peinlich daneben geht? Und darf man auch einfach „Nein, danke“ sagen?

Viele Fragen und wenig Antworten sind oft ein Indiz dafür, dass man mehr falsch als richtig machen kann. Aber deshalb gänzlich von weihnachtlichen Aufmerksamkeiten abzusehen, ist mit Sicherheit auch keine Lösung. Grundsätzlich spielt es keine Rolle, ob man einen geliebten Menschen, Kinder, Kollegen, einen hilfsbereiten Nachbarn oder gar den Chef beschenkt: Wenn geschenkt werden soll, dann doch bitte richtig. Das bedeutet, sich Zeit zu nehmen und sich Gedanken zu machen. Denn ein Geschenk, dem genau das anzumerken ist, funktioniert und freut fast immer.

In diesem Sinne: Viel Spaß beim Schenken & Stellen Sie mehr an!

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