Blick in die „Bewerbung der Zukunft“

Gastbeitrag von JAAAS GmbH

Für einen Blick in die „Bewerbung der Zukunft“* befragte das Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) der Universität Bamberg im Rahmen der Studienreihen „Bewerbungspraxis 2016“ und „Recruiting Trends 2016“ 188 deutsche Unternehmen und verglich das Nutzungsverhalten sowie die Einschätzungen von 4.800 Stellensuchenden und Karriereinteressierten im Auftrag der Monster Worldwide Deutschland GmbH. Das Themenspecial widmet sich unter anderem der Frage, welche Bewerbungskanäle heute relevant sind und wie sich diese zukünftig verändern werden.

Den Ergebnissen der Studie zufolge gehen heutzutage die Hälfte aller Bewerbungen über Bewerbungsformulare ein, etwa ein Drittel werden per E-Mail gesendet, 13 % erreichen die Unternehmen in Form von Papierbewerbungen über den Postweg und 2 % entfallen auf andere Bewerbungskanäle.

Bezüglich der Frage nach bevorzugten Bewerbungskanälen gehen die Vorstellungen von Firmen und Bewerbern weit auseinander. Drei Viertel der Unternehmen geben der Formularbewerbung den Vorrang, gefolgt von etwa einem Viertel, das den Weg per E-Mail favorisiert. Die Präferenzen der Unternehmen werden sich hierzu auch in Zukunft kaum ändern. Für 83 % der Stellensuchenden ist die E-Mail die erste Wahl. Andere Kanäle liegen im Vergleich dazu heute in der Bewerbergunst weit hinten. Jedoch werden sich die Bedürfnisse der Stellensuchenden bald wandeln. So möchten sich zukünftig noch etwa zwei Drittel der Bewerber per E-Mail bei potenziellen Arbeitgebern vorstellen und 28 % halten andere, heute noch nicht etablierte Bewerbungskanäle, für geeignete Mittel.

Die Vorteile für Unternehmen, Formularfelder zu nutzen, liegen auf der Hand: Die vom Stellensuchenden eingegebenen Daten lassen sich mittels Bewerbermanagement-Software effizient auswerten und verwalten. Die Hürde sich auf eine Anzeige zu melden, ist jedoch umso größer, je mehr Felder auszufüllen sind. Der Bewerber wird dazu angehalten, Daten einzutragen, die sich bereits in den einzureichenden Unterlagen befinden. 82 % der Interessierten würden Formularfelder heutzutage zwar ausfüllen, aber 11 % ziehen es vor, sich über einen anderen Kanal zu bewerben, für 7 % wäre es ein Grund, sich gar nicht erst beim Unternehmen vorzustellen. Stellensuchende möchten sich mit möglichst geringem Aufwand bewerben.

Gestützt wird diese Feststellung durch die wachsende Bedeutsamkeit von One-Click-Bewerbungen. Die Möglichkeit, sich mit einem Klick für eine Offerte empfehlen zu können, wird bereits heute von fast einem Drittel der Stellensuchenden als wichtig erachtet, jedoch nur von 17 % der Unternehmen. Ungeachtet der Gegensätze schätzen allerdings beide Seiten die Relevanz als steigend ein. So messen 39 % der Bewerber der One-Click-Bewerbung zukünftig eine wesentliche Rolle bei, unter den Unternehmen sind es sogar 54 %.

Ganz ähnlich fällt die Bewertung von Kurzprofilen aus: Über die Hälfte der Stellensuchenden schätzen diese derzeit als wichtig ein, um in beruflichen Netzwerken auf sich aufmerksam zu machen und sich von anderen Bewerbern abgrenzen zu können. Von den Unternehmen teilen heute nur 15 % diese Einschätzung. Die Studie zeigt aber auch, dass diese Funktion an Bedeutung gewinnen wird. Drei Viertel der Stellensuchenden erachten Kurzprofile zukünftig als wichtig, von den Unternehmen sind 58 % der gleichen Auffassung.

Es wird heute wie morgen Aufgabe der Hersteller von Bewerbermanagement-Software sein, die Stellensuchenden auf den unterschiedlichen Kanälen abzuholen. Flexibel zu bleiben und sich auf die schnell wechselnden Bedürfnisse der Branche einzustellen, wird ohne Zweifel zu einer hohen Herausforderung. Das Einbinden einer Vielzahl von Jobbörsen, um per Multiposting Stellensuchende auf möglichst vielen Plattformen zu erreichen, ist nur eine Baustelle. Potenzielle Arbeitgeber und Arbeitnehmer finden sich schon heute über soziale Netzwerke und private Messenger-Dienste wie zum Beispiel Facebook und WhatsApp. Die Daten der Stelleninteressenten mittels Bewerbermanagementsystem erfassen zu können, ohne diese mit komplexen Bewerbungsformularen abzuschrecken, wird Teil der Lösung um die begehrten Fachkräfte sein.

One-Click-Bewerbungen, so bequem sie für den Interessenten sind, haben den Nachteil, dass die Anzahl der eingehenden Bewerbungen sehr hoch sein kann. Zweifelsohne wählen Arbeitgeber gern aus einer großen Anzahl von Kandidaten aus, doch wächst bei niedrigen Bewerbungshürden die Sorge darüber, inwieweit sich der Stellensuchende mit der Offerte auseinandergesetzt hat. Fazit: Wer den Spagat zwischen effizienter Datenverarbeitung und Flexibilität in einer stetig komplexer werdenden Kommunikationsumwelt löst, hat im viel beschworenen War for Talents gute Chancen, die besten Mitarbeiter zu rekrutieren.

* Quelle: Weitzel, Tim u. a., Themenspecial – Bewerbung der Zukunft, Universität Bamberg, 2016.

 

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