Flüchtlinge und der deutsche Arbeitsmarkt

Nach Schätzung der Bundesregierung kommen in diesem Jahr zwischen 800.000 und eine Million Flüchtlinge nach Deutschland. Nun wird darüber diskutiert, wie die Flüchtlinge integriert werden können und welche Chancen sie auf dem deutschen Arbeitsmarkt haben.

Berliner Modellprojekt

Seit August beraten Job-Coaches der Arbeitsagentur Flüchtlinge und das nicht in der Arbeitsagentur selbst, sondern beim Bundesamt für Migration. Geplant ist, dass durch die Zusammenarbeit beider Behörden der Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtert wird – und das bereits in Erstaufnahmeeinrichtungen. Den Vorrang haben dabei Flüchtlinge, bei denen die Gewährung auf Asyl sehr wahrscheinlich ist. Dieses Berliner Modellprojekt soll im nächsten Jahr flächendeckend umgesetzt werden. Dafür bräuchten die Arbeitsagenturen und Jobcenter aber mehr finanzielle Mittel und mehr Personal, um dieser Anforderung gerecht zu werden.

Fehlende Sprachkurse

Momentan fehlen vor allem Sprachkurse, da die meisten Flüchtlinge kein Deutsch sprechen. In den sogenannten Integrationskursen wird ein Sprachniveau vermittelt, mit dem man sich allgemein unterhalten kann, doch das „reicht nicht, um eine Berufsausbildung zu machen“, zitiert der Deutschlandfunk Raimund Becker, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit. Es werden also berufsbezogene Sprachkurse benötigt.

Qualifikationen der Flüchtlinge

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) kam nach einer Untersuchung zu dem Ergebnis, dass bei den Flüchtlingen mittlere Qualifikationen selten vorhanden sind, sondern dass es zwei größere Gruppen gibt: Personen mit höherer Schulbildung bzw. Uniabschluss und Personen ohne Berufsausbildung. Problematisch sieht der Tagesspiegel auch die Anerkennung von Berufs- und Schulabschlüssen. Diese Anerkennungsverfahren sind langwierig und können Monate dauern. Dazu kommt, dass viele Flüchtlinge keine Unterlagen über ihre Abschlüsse bei sich haben und sich eine Wiederbeschaffung als äußerst schwierig bis unmöglich gestalten würde. Und was ist mit den Menschen, die ihr Wissen informell erworben haben?

Vorrangprüfung vorübergehend aussetzen?

Die Vorrangprüfung ist eine weitere bürokratische Hürde, der die Flüchtlinge auf dem deutschen Arbeitsmarkt begegnen. Sie besagt, dass ein Arbeitgeber, der einen Arbeitsplatz für einen Flüchtling bereitstellt, nachweisen muss, dass für diesen Arbeitsplatz kein Deutscher oder EU-Bürger zur Verfügung steht. Das ist für Arbeitgeber sehr aufwendig. Hier kann auch eine Prüfung von der Bundesagentur für Arbeit vorgenommen werden. Dann ist eine Anstellung erst möglich, wenn die Prüfung negativ ausgefallen ist.
Doch die Bundesregierung hat andere Hürden wenigstens vermindert: Das Arbeitsverbot für Flüchtlinge wurde von 15 Monate auf drei verkürzt und Jugendliche sollen zunächst für ein Jahr eine Bleiberperspektive erhalten, wenn sie eine Ausbildung beginnen, mit der Option auf Verlängerung.

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