Lügen in der Jobsuche

Jeder möchte, dass die eigene Bewerbung besonders hervorsticht und auch alle Kriterien aus der Stellenbeschreibung erfüllt sind. Sie soll positiv auffallen aufgrund des enormen Konkurrenzdrucks bei der Jobsuche. Deshalb flunkern viele Kandidaten bei ihrer Bewerbung. Dabei schwindeln 43 Prozent in ihren Bewerbungsunterlagen und 14 Prozent lügen ab und zu in ihrem Anschreiben oder Lebenslauf. Das fand der Umfrage-Report 2014/2015 der Jobbörse Jobware heraus. Ein Drittel der Kandidaten gab sogar zu, die Wahrheit vor Personalern regelmäßig zu verdrehen.

Besonders beliebte Unwahrheiten

Die Jobbörse StepStone legte dar, dass Lügen besonders beliebt in Bezug auf die Aufgabengebiete des bisherigen Jobs sind. Da diese auch schwer nachzuprüfen sind, ist die Wahrscheinlichkeit erwischt zu werden, nicht sehr hoch. Anders dagegen bei Falschangaben im Lebenslauf. Wird mit Auslandsaufenthalten oder Fremdsprachenkenntnissen übertrieben, ist das relativ schnell zu überprüfen, beispielsweise direkt im Vorstellungsgespräch, und somit ist das Risiko zum Auffliegen entsprechend hoch. Fehlendes Know-how und mangelnde Praxiserfahrungen werden spätestens im Berufsalltag aufgedeckt.
Laut der Meinungsforschung, die die Robert Half Personalberatung mit 1.200 Personalmanagern zu diesem Thema unternommen hat, wird besonders häufig in Sachen Verantwortung gelogen, dicht gefolgt von Übertreibungen bei den Managementfähigkeiten und Sprachkenntnissen. Zehn Prozent schrauben ihr letztes Gehalt höher und fünf Prozent schummeln bei ihren Softwarekenntnissen.

Was steht dahinter?

Hinter diesen Unwahrheiten können Ängste, aber auch Naivität stecken. Fragwürdige Lücken im Lebenslauf oder auch Vorstrafen sollen verschleiert, fehlende Qualifikationen kaschiert werden. Auch überlange Ausbildungszeiten oder schlechte Noten werden beschönigt.
Sollten die Lügen im schlimmsten Fall aufgedeckt werden, so kann der Arbeitgeber den Arbeitsvertrag anfechten. Dieser ist dann hinfällig und das Arbeitsverhältnis beendet. Dafür muss der Arbeitgeber allerdings beweisen, dass der neue Arbeitnehmer nur wegen dieser gefälschten Angaben oder Unterlagen den Arbeitsplatz erhalten hat.

Wann ist Schwindeln erlaubt?

Tatsächlich lügen darf man laut Bundesarbeitsgericht bei folgender Frage: „Ist gegen Sie ein gerichtliches Strafverfahren oder ein Ermittlungsverfahren anhängig oder in den vergangenen drei Jahren anhängig gewesen?“ Lügen ist hier aber nur erlaubt, wenn die Ermittlungsverfahren zum Zeitpunkt des Bewerbungsgesprächs abgeschlossen sind, ohne dass es zu einer Verurteilung gekommen ist.
Die Analyse des Umfrage Reports der Jobbörse Jobware zeigt aber auch, dass für 71 Prozent der Personaler die Hochschulwahl der Absolventen keine Rolle spielt, da die Qualifikationen entscheidender sind. Auslandserfahrungen stuften 95 Prozent der Personaler nur als nettes Extra ein und 25 Prozent halten Auslandsaufenthalte sogar für verlängerte Urlaube. Vielleicht sollte der ein oder andere noch einmal überlegen, ob sich Lügen hier tatsächlich lohnt.

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